Ehemalige Persönlichkeiten aus der Gemeinde Tosterglope

Der ehemalige Oberbürgermeister von Schwerin Richard Crull, ehemalig wohnhaft in Ventschau

Richard Crull und Frau
Richard Crull und Frau

Der Moment, der Niederlage und Achtung im einem war, geschah für ihn am 2.Mai des Jahres 1945, mittags um 13 Uhr: Niederlage, weil die Stadt, in der er seit vier Jahren Oberbürgermeister war, an die amerikanischen Besatzungstruppen übergeben werden musste und Achtung, weil der US- Kommandeur es ausdrücklich befürwortete, dass die Dienstgeschäfte vom bisherigen Amtsinhaber weitergeführt werden sollten.

Richard Crull heißt der Mann, der damals als Oberbürgermeister unter amerikanischer Besatzung zunächst weiter im Amt bleiben durfte – in Schwerin.

Zwölf Tage ließ ihn US- Major Pullen im Amt – Bis die Engländer Schwerin besetzten. ,,Die Amerikaner”, und darauf war Richard Crull damals stolz, ,,hatten nichts Nachteiliges über ihn in ihren Unterlagen – obwohl er bei der Übergabe sein Pateiabzeichen trug. Aus seiner NSDAP-Zugehörigkeit wollte er kein Hehl machen, und der Major sagte damals, dass alle Anordnungen in sein Dienstzimmer kommen und alles, was er ablehnte, auch er ablehnen würde.”
Über die einzige noch intakte Telefonleitung der Reichsbahn erfuhr Crull dass sowohl die Amerikaner als auch die Russen in Anmarsch auf Schwerin seien. Dass die Stadt nicht den russischen Panzerbesatzungen übergeben wurde, gelang ihm durch einen einfachen Trick: Crull schickte den vorrückenden US- TruppenPolizeibeamte auf Motorrädern entgegen, die in Sichtweite wieder wendeten. Major Pullen ließ daraufhin seine Truppen schneller vordringen – und stand vor den Russen auf dem Schweriner Marktplatz. Durch diese Tollkühne Entscheidung hat er vielen Bewohnern der Stadt Schwerin ihr Leben und ihre Existenz gerettet.

Als Ende Juni 1945 die Briten – sie hatten die Amerikaner als Besatzer abgelöst – der Roten Armee das westliche Mecklenburg überließen, ging Richard Crull mit seiner Frau und den 5 Kindern im Schutze der abrückenden Royal Army in die britische Besatzungszone. hinter Lübeck.

Zur Person

Herr Richard Crull erblickte am 27. Februar 1900 in Mönchshagen bei Rostock als Sohn eines Postbeamten das Licht der Welt. Er wuchs in Bad Doberan auf und trat am 1.Mai 1920 als Ratspraktikant in die Dienste seiner Heimatstadt. Vom 1. April 1923 bis 1. September 1932 leitete er die Stadtkasse und folgte dann einem Ruf auf den Posten des Büroleiters des Mecklenburgischen Landtages nach Schwerin. Neben seiner danach folgenden Tätigkeit für den Deutschen Gemeindetag übernahm er im letzten Krieg als Nachfolger des zur Wehrmacht einberufenden Oberbürgermeister Dr. Timmermann als Stadtoberhaupt die Leitung der Geschicke der Landeshauptstadt Schwerin.
Nach einer bitteren Zeit der Arbeitslosigkeit fand der Familienvater im Flüchtlingslager Wentorf bei Hamburg eine hauptamtliche Tätigkeit, in der er jahrelang den neu eingetroffenen Flüchtlingen aus Mecklenburg mit Rat und Tat half. Nach der Internierungszeit fand sich die Familie 1948 im Flüchtlingslager Wipperführt wieder, von dort zogen sie 1948 nach Ventschau am Rande der Göhrde, Das in der Ortschaft Ventschau neu erbaute Haus ,,Birkenhöh”wurde für viele Jahre der Stammsitz der Familie Crull. Seinen 90. Geburtstag feierte er 1990 dann in Adendorf, wo er nach dem Verkauf des Hauses ,,Birkenhöh” seinen Lebensabend verbrachte. Als hervorragender Kenner mecklenburgischer Verhältnisse konnte er bis weit ins hohe Lebensalter hinein als Zeuge vielen Landsleute bei der Erlangen ihrer Ansprüche in Lastenausgleich-, Rente-, und anderen Anliegen wertvolle Hilfe leisten.

Der Oberbürgermeister a.D. der Stadt Schwerin Herr Richard Crull verstarb im Jahre 1991 in Adendorf bei Lüneburg.

Quellenhinweis

– Oberbürgermeister R. Crull 75 Jahre ,,Unser Mecklenburg” Febr, 1975
– Feier auf Birkenhöh ,, LZ September 1987″
– Oberbürgermeister R. Crull 80 Jahre ,,Unser Mecklenburg” Febr, 1980
– Trotz Niederlage weiter geachtet ,, LZ Febr.1980″
Dank an Claus-Peter Crull und seiner Familie aus Vögelsen für die Herausgabe der Unterlagen.

Volker Weber, im Juli 2009

Weitere Berichte folgen …