Ein paar Schweine zuviel im Barskamper Wald!

In der Herbstzeit, wenn die Eicheln und Bucheckern reif waren, durften die Hofbesitzer ihre Schweine ( Deelenzucht ) in den Barskamper Wald treiben. Diesen Vorgang nannte man das Mastrecht, denn für eine bestimmte Zeit und an einem bestimmten Ort durften die Schweine der Bauern aus den Dörfern Tosterglope, Barskamp, Walmsburg, Bruchdorf, Katemin, Göddingen, Köstorf, Harmsdorf und Reeseln sich voll fressen. (Aber nur wenn genügend Fressbares zu finden war). In dem Barskamper Wald konnten normalerweise gut 2000 Schweine versorgt werden. So geschah es auch im Herbst des Jahres 1769, dieses mal aber wurde von dem Amt in Bleckede die Anzahl der Schweine auf die halbe Mast reduziert. Das hieß, dass die Hofbesitzer nur die Hälfte der im Sommerhalbjahr geborenen Schweine in den Wald treiben durften. Es haben sich wohl die meisten Hofbesitzer an diese Anordnung gehalten, außer einer Witwe mit dem Namen“ von Wittorf zu Horndorf,,. Diese besagte Witwe ließ durch ihren Schweinehirten eine große Stückzahl Schweine in den Wald treiben. Bei einer Kontrolle, die der Voigt und Förster Rievers zu Barskamp durchführte, wurden 32 Schweine gezählt. Laut Angabe des Amtes durften es nur 30 Schweine für ein halbes Jahr auf dem Gutshof in Horndorf sein. Diese 30 Schweine wären dann wieder teilbar auf 15 Schweine (halbe Mast), die zur Mast in den Wald getrieben werden durften. Es kam zu einer Anzeige, und die Witwe von Wittorf erklärte, dass sich die Knechte wohl verzählt hätten. Sie gab ferner an, dass ihre gesamte Deelenzucht ganze 60 Schweine betragen würde, und sie daher wohl 30 Schweine mästen dürfte.

Bei einer weiteren Kontrolle die der Voigt und Förster Riever zu Barskamp am 25.Nov. d.J. wiederum machte, fand er noch 28 Schweine vor. Nach Angaben des Schweinehirten seien zwei Schweine im Wald verstorben. Laut Befehl des Amtes waren es wieder zu viele Schweine, und der Förster Rievers ließ 15 Schweine aus den Wald treiben, worauf die Frau von Wittorf wiederum an das Amt schrieb und sich beschwerte. In einem anderen Schreiben das die Witwe von Wittorf am 7.Dez.1769 an das Amt in Bleckede schickte, gab sie an, dass sie am letzten Samstag d.M. nun ihre gesamte Deelenzucht von insgesamt 60 Schweine in den Barskamper Wald trieben ließ . Wie die Angelegenheit wohl geendet hat, steht leider nicht mehr in den Akten. Zumindest wird die Mastzeit im Barskamper Wald wohl auch für das Jahr 1769 bald zuende gewesen sein, denn nicht umsonst sollte nur die halbe Deelenzucht (Mast) in den Wald getrieben werden.

(Deelenzucht nennt man das, was der Hofbesitzer innerhalb eines halben oder ganzen Jahres an Schweine oder auch an Hornvieh auf seinem Hof gezüchtet hat.)

Volker Weber