Ereignisse aus der Gutsherrenzeit

Klagesache des Herrn v. Wittorf zu Horndorf wegen Jagdrecht 1774- 86.

In diesem Fall geht es um die Jagdrechte der Herren v. Wittorf, in der Schieringer, Barskamper u. Köhlinger Feldmark. Im Jahre 1774 beschwerte sich der Förster Rievers zu Barskamp beim Amt in Bleckede, das die Herren v. Wittorf in den oben genannten Feldmarken Niederwildjagd betrieben. Laut Auskunft einiger Eingesessener u. dem Förster Sembach zu Bleckede, hätten sie dort kein Jagdrecht.

Im Laufe der folgenden Jahre, und der hinzufügen eines Schreibens des Lüneburger Herzog aus dem Jahre 1593, mit Berücksichtigung der Herrn v. Estorff zu Neetze und Barnstedt die im Barnbeck jagten, wurde den Herrn v. Wittorf das Jagen in der Barskamper und Köhlinger Feldmark nicht erlaubt.

Für die Schieringer Feldmark bekamen die Herren v. Wittorf aus Hannover im Jahre 1781 die Genehmigung.

Im Jahre 1782 gab sich der Förster des Barskamper Waldes noch nicht damit zu Frieden, und suchte sich vier Eingesessene aus Walmsburg, die unter Eid Aussagen konnten, das die Herrn v. Wittorf dort keine Jagd hatten. Die Eingesessenen hießen Franz Barge, Hans Drosin, Menke u. Hans Peter Heinatz. Alle Eingesessenen schwörten das von den Herren von Wittorf seit über 50 Jahren, so alt wären sie, keine Niederwildjagd abgehalten hätten. Wie es weiter ging kann ich euch leider nicht erzählen. Ich weiß aber das nach dem Jahre 1859 Tosterglope einen Jagdvorstand und ab 1866 den ersten Jagdpächter hatte, der Friedrich Saucke hieß.

Schießwütig 1742

In der Dorfschaft Göddingen bei Bleckede waren im Frühjahr 1742 die Menschen mit dem Bestellen der Äcker beschäftigt. Der Gutsmann Hans Schlüter beauftragte an einem Morgen seine beiden Knechte Nehrman und Reinecke, sie sollten auf dem Heitberg etwas Heideplaggen (1) hauen. Die Plaggen sollten die Beiden holen und auf dem Mistberg, der sich auf dem Hof befand auszulegen. Als nun die Knechte auf dem Heitberg die abgehauen Heideplaggen auf den Wagen legten, kam der Gutsverwalter Lohmann von dem Adeligen Gut Horndorf vorbei. Dieser sagte zu den beiden Knechten, sie sollen die Plaggen liegen lassen, da es ja verboten sei, Plaggen zu hauen. Der Knecht Nehrman sagte, dass sie seit 17 Jahren hier schon Plaggen hauen würden, und niemand hätte es ihnen verboten. Auch der Knecht Reinecke ließ sich davon nicht abhalten und warf einige Plaggen auf den Ackerwagen. Der Gutsverwalter Lohmann befahl darauf einen seiner mitgeführten Knechte, die Forke dem Knecht Reinecke aus der Hand zu nehmen und den Ochsen, der vor dem Wagen gespannt war, abzuspannen. Er wollte damit verhindern dass die Heideplaggen abtransportiert werden können. Die beiden Knechte Nehrmann und Reinecke baten darauf den Gutsverwalter ihnen doch den Ochsen zu lassen, da die Saatzeit bevorstehen würde. Dieser ließ sich aber nicht auf die Bitte ein und schickte seinen Knecht mit den Ochsen fort. Darauf schnitt der Knecht Reinecke das Seil an dem der Ochse festgebunden war durch und hielt ihn an den Hörnern fest. Der Gutsverwalter der ein Gewehr bei sich führte, legte es an und wollte den Ochsen erschießen. Nur eine Ladehemmung im Gewehr hatte dieses verhindert. Nun bat auch der Knecht des Gutsverwalters Lohmann, den Ochsen leben zu lassen. Dieses machte den Gutsverwalter Lohmann noch wütender und er legte erneut auf den Ochsen an. Dieser ergriff die Flucht und rannte auf eine Gruppe Menschen zu, die gerade des Weges kam. Diese aus Bardowick kommenden Leute sprangen zur Seite, um den fliehenden Ochsen und den wütenden Gutsverwalter Lohmann, der mit seinem Pferd hinter dem Tier her war, nicht im Wege zu stehen. Mit einem gezielten Schuss, durch das linke Vorderblatt erlegte er das Tier, das tot zu Boden fiel.

Da nun die Leute sehr aufgebracht waren, ließ er das Tier liegen und ritt davon. Die beiden Knechte des Gutsmanns Schlüter liefen zum Hof zurück und berichteten den Vorfall. Auf dem Amt in Bleckede, wo der Gutsmann Hans Schlüter die Angelegenheit anzeigte, war man über dieses Vorgehen des Gutsvorstehers Lohmann sehr entsetzt. Sie setzten gleich ein Schreiben an den Gutsherrn von Wittorf auf Gut Horndorf auf, indem sie das Vorgehen tadelten und den Schaden für den toten Ochsen auf 20 Taler festlegten. Wie die Angelegenheit nun zu Ende ging, steht leider nicht in den Akten.

(1)= Plaggen sind Stücke des Bodenüberzuges. Je nach Pflanze, die ihn bildet heißt er Rasen- oder Heideplagge. Er wurde wegen seines hohen Gehaltes an organischer Substanz als Dünger benutzt.

So ist das: Seinem Schicksal kann niemand entgehen.