Geschichtliches ab 1371

Der Ortsteil Gut Horndorf liegt auf einem Endmoränenhügel mit einer lehmigen Kuppe, südwestlich von Tosterglope.

horndorf-kuhstall

Der Name Horndorf wird folgendermaßen von Herrn Dr. Schneider aus Lüneburg (Orts und Gewässernamen) erklärt: Das Dorf lag entweder in einem „Horn“, einer Ecke oder einem Winkel, oder es lag an einer morastigen Stelle, nach dem alten Wort „hôr“, Kot, Schmutz, Schlamm.

Im Höferegister von Dannenberg ist Horndorf im Jahre 1360 mit sieben Höfen aufgezeichnet. (Festschrift des Bezirks- Kriegerfest Dahlenburg von 1908)
Am 19. Aug. 1366 verkaufte Huner von Oedeme dem Otto von Thune das ganze Dorf Ostermure (Ostermoor). (Urkb. des Klosters Scharnebeck).

Im Jahre 1371 belehnte Herzog Magnus die Fam. von Wittorf mit dem Dorf Horndorf.

Zu diesem Lehn gehörten später noch die um 1600 halbwüst gewordene Dörfer Ostermoor und Heringen in Nähe der Ortschaft Harmstorf. Um 1330 – 52 hatten die von Oedeme das Dorf Ostermoor in Lehn.

Das alte Dorf Horndorf hatte wahrscheinlich einmal sieben Höfe, die sich dann zum Gutshof vereinigt haben. Das Gut brannte im 30jährigen Krieg ab. Beim Wiederaufbau des Gutes half der Landesherr (Herzog von Lüneburg) mit Holz aus seinen Wäldern mit. Die Inschrift in einer Scheune die im Jahre 1649 wiedererbaut wurde, steht auf einem Balken folgende Inschrift: „Hans Friedrich von der Wense hat das Holz zu der Scheune von Herzog August verehrt bekommen…“. Die Scheue brannte im April 1984 ab. Um 1600- 1800 gingen die Ländereien der zwei wüsten Dörfer Ostermoor und Heringen zum größten Teil in dem Rittergut Horndorf auf. Zum Gut gehörten 3 Burglehen in Bleckede, die Mühlen zu Hungerstorf (heute Marienau) und das Dorf Süttorf, ein „einstendiger Hof“ zu Nüdlitz, das Holz bei Horndorf mit Buchen- und Eichenbestand, der „Briesen“ mit Birken und die Ohe bei Göddingen mit Ellern und Eichen. Hinzu zählten Anteile am Ellernbusch zu Süderbroock, am Junkernholze bei Garze (Bleckede), am Barskamper Wald und das Holzgericht über die Amelinghäuser Waldungen. Ferner gehörte zum Gut die eine Hälfte des Bargdorfer Zehnten. Das spätestens im 14. Jahrhundert wüste Bargdorf hatte östlich der Feldmarken Barskamp und Göddingen (beide Bleckede) gelegen.

Das Gut Horndorf wurde in Verbindung mit den drei Burglehnen in Bleckede im Jahre 1789 durch den Oberst Generaladjudanten Adolph Ludwig v. Spörcken vom Landgräflichen Hessischen Minister und Oberstallmeister Georg Julius v. Wittorf in Kassel käuflich erworben, dessen Familie es lange Zeit vorher besessen hat. Die von Spörcken hatten das Dahlenburger und das Süschendorfer Gut seit dem 14. Jahrhundert schon in Besitz.

Die Herren von Spörcken hatten auch in der Ortschaft Ostermoor ab 1789 vier Resthöfe in Lehn. Die Abhängigkeit von der „Krone Hannover“, also der Staatsaufsicht, ist mit dem Allodifications- Rezess vom 14. März 1849 und gegen Zahlung von 561 Reichsthaler aufgehoben worden. Die Familie v. Spörcken hatte nun unbeschränktes Verfügungsrecht über das Gut. Nach dem Tod des Erwerbers erbten dessen beide Söhne Oberstallmeister Otto Lud-wig und Oberlandstallmeister Friedrich v. Spörcken das Gut. Als Otto Ludwig am l8.Juli 1851 verstarb, fiel das Gut besitzmäßig an seinen ein¬zigen Sohn Werner, und da dessen Onkel noch lebte, gehörte beiden das Gut bis zum 30. Juli 1853 gemeinschaftlich. Nach einer Vereinbarung zwischen beiden nahm Friedrich v. Spörcken das Gut Horndorf allein in Besitz (ab 1.Juli 1853).

Die drei Burglehne in Bleckede gehörten stets zum Gut Horndorf und waren mit Siedlern besetzt, die schon frühzeitig eine jährliche Abgabe nach Horndorf zahlten. Die damit verbundenen Ländereien befanden sich in den Gemarkungen Bleckede und Brackede und waren der Fami¬lie v. Estorff in Neetze „Sackzehntpflichtig“. Im Jahre 1854 war diese Be¬lastung bereits abgelöst.

Das Gut Horndorf war seit seinem Erwerb verpachtet und ist seit Johannis 1840 in eigene Bewirtschaftung genommen worden. Seither sind fällige Gebäudereparaturen und Neubauten vorgenommen worden. Die früheren Rechte und Berechtigungen waren in Lehnsbriefen. dem Erbteilungsrezess von 1667 und einem Lagerbuch von 1701. welches Christoph Gebhard v. Wittorf ‚angelegt hatte, dokumentiert. Infolge der Veränderungen vergangener Epochen verloren etliche Berechtigungen ihre Gültigkeit oder gerieten in Vergessenheit. Der Wert der Gutsgebäude ist nach den Feuerversicherungspolicen im Jahre 1854 mit 12590 Reichsthaler festgestellt worden. Zum Gut gehörten insgesamt 1728 Morgen Ländereien. Nach den Vermessungsergebnissen des Geometers Blumenthal von 1840 wurde dieses wie folgt genutzt: Hof- und Gebäudeflächen (6 Morgen), Gärten (7 Morgen), Acker (1060 Morgen), Wiesen (30 Morgen), Forsten(213 Morgen), Wasserflächen (1 Morgen), Gräben (4 Morgen) und Wege (34 Morgen).

Von den Gutsuntertanen sind nach dem Stand von 1854 jährlich 191 Reichsthaler Bargeld, 89 ½

Himpten Roggen, 43 Himpten Rauhafer, 3½ Himpten Erbsen, 24 Hühner und 70 Eier an Naturalien abgeliefert worden. Die ebenfalls von den Gutsunteranen eingezogenen Ablösungsgelder hatten damals die Höhe von 31962 Reichsthalern erreicht.

Bis zum Jahre 1848 übte das Gut eine Koppeljagdberechtigung auf eigenem Grund und Boden aus, sowie auf „allen denjenigen fremden Feldmarken, wo Zehnten, Meierleute oder sonstige gutherrliche Beziehungen vorhanden waren“. Nach dem Gesetz vom 29.7.1850 verblieb dem Gut nur noch das Jagdrecht auf den eigenen Flächen, da dieses auf fremdem Eigentum abgelöst worden ist.

Das Gut Horndorf hatte ferner die sog. Holzgräfschaft im Gemeindewald von Eyendorf, Landkreis Harburg. Mit einem Achtel Anteilsrecht war das Gut Horndorf dort präsent. Weitere Berechtigte waren die Domänenkammer (durch frühere Erwerbung der Anteilrechte des Klosters St. Michaelis und der Ämter Lüne und Rotenburg), das Gut Schnellenberg und das Gut Lauenbruch. Möglicherweise ist die Holzgräfschaft durch Erbverträge zwischen den Familien v. Wittorf und v. Spörcken zustande gekommen. Jährlich werden in Eyendorf ein Holzgericht abgehalten, was aber von 1774 bis 1822 versäumt wurde und erst wieder auflebte, als Beschwerden vorgebracht worden sind. Das Gut Horndorf erhielt auch Anteile aus den Forststrafgeldern, die jedoch stetig sanken und zuletzt unbedeutend waren.

Kirchlich war das Gut Horndorf nach Dahlenburg eingepfarrt und nutzte dort neben der Orgel eine Prieche für 12 bis 14 Personen. Unter der Orgel befand sich das v. Spörckensche Erbbegräbnis.

Die Patrimonialgerichtsbarkeit über Horndorf, Mücklingen und die auswärts wohnenden Gutsleute endete 1803 mit der französischen Besatzung. Nach der möglichen Wiederherstellung verzichtete die Familie v. Spörcken auf dieses Recht, und so gelang der einstige Gerichtssitz zum Amtsgericht Bleckede. Im Gegensatz zu den übrigen Gütern verblieb dem Gut Horndorf seine Selbstständigkeit, da es lt. Schreiben vom 26. März 1850 zu keiner Nachbargemeinde zugeordnet wurde.

Vom Gut Horndorf unterstützt wurde das Hospital St. Georgi in Bleckede. Das war die Versorgungsanstalt für acht Personen, die auch die Bezeichnung „Kammer“ erhielten. Die Landesregierung sorgte für fünf, das v. Estorffsche Gut zu Neetze für zwei und das Gut Horndorf für eine Person. Aus Pachtverträgen erzielte das Hospital jährlich 200 Reichsthaler Einnahmen, erhielt vom Kloster St. Michaelis 40 Reichsthaler und von der Saline Lüneburg einen Sack voll Salz. Brennholz aus den Landforsten “forstzinsfrei“ abgegeben worden. So ergab sich schwankende Einkünfte von 280 – 300 Reichsthaler jährlich. War der Versorgungsplatz des Gutes Horndorf nicht besetzt, konnte die Gutsverwaltung Geld zurückfordern. Mit dem Besitz des Gutes Horndorf war ein Stimmrecht bei den Cantontagen in Lüchow und auf der Ritter- und Landschaftlichen Versammlungen verbunden. Wegen der drei Burglehn ein Bleckede verfügte das Gut über weitere drei Stimmen. Außerdem genoss es alle Vorteile und Rechte, wie sie sie damals für die adeligen Güter üblich waren.

Das Inventar des Gutes Horndorf hatte 1854 einen Gesamtwert von 24123 Reichsthaler. Eine einzige Berechtigung stand dem Gut in der Feldmark zu, nämlich die Trift mit allen Vieharten zur Tränke im Baarbruche. Nach Aufhebung der Steuerfreiheit für adelige Güter mussten nach den Gesetzen vom 09.08.1822 und 03.06.1826 Grund – und Häusersteuer in Höhe von 141 Reichthaler 12 Guten Groschen 7 Pfg. jährlich gezahlt werden.

Eine weitere, wenn auch geringe Belastung war die Hergabe von jährlich 5 Himten Roggen an die Pfarre und 3 Himpten Roggen an die Küsterei in Dahlenburg. Bis 1848 brauchte das Gut Horndorf keine Beiträge zu den Bauerhaltungskosten der Kirche und Schule leisten. Danach wurde das Gut zu Beiträgen herangezogen, die denen von drei Vollhöfen entsprachen.

Im Ablösungsprozess lösten sich 81 Höfner ab.

Da die Selbstständigkeit des Gutes erhalten blieb, musste es keine Gemeindesteuern an eine der Nachbargemeinden abführen außer das „Nebenanlage- Geld“.

Die Unterhaltung der Wege verblieb dem Gut auch weiterhin. Wegen der Grundstücke bei Bleckede hatte das Gut Horndorf die Verpflichtung, das Elbedeichstück „Deichkabel No. 106 in schaufreien Zustande zu unterhalten“. Die dafür aufzuwendenden Kosten wechselten je nach Lage der Schäden. Beiträge für die Unterhaltung des Neetzekanals waren fällig, weil das Gut Horndorf Grundstücke bei Brackede im Eigentum hatte.

Dem Gut Horndorf erwuchsen Aufgaben in Höhe von jährlich 6 Reichsthaler, wenn der Staat nicht sein Recht in Anspruch nahm, auf 20 Morgen Wiese im Bauernsee bei Alt Garge und einer Wiese, die dem Gut Süschendorf gehörte (4 Morgen) Vieh eintreiben zu lassen.

Zum Gut Horndorf gehörten 1854 insgesamt 11 Gebäude. Das Wohnhaus, 91 Fuß (26,57m) lang und 47 Fuß (13,72m) breit, trug bereits Ziegeldach. Das Back- und Waschhaus mit Molkenkeller und Kornboden hatte die Maße 72 x 32 Fuß (21,02m x 9,34m). Es gab einen Schweinestall, ein Viehhaus mit Pferdestall, eine alte Kornscheune und eine neue, 1848 erbaute, die 167 Fuß (48,76m) lang und 49 Fuß (14,31m) breit war. Der Schafstall befand sich direkt am Hofeingang. Sogar eine Rademacherwerkstatt gab es. Zwei Tagelöhnerhäuser, eines östlich, das andere nördlich vom Gutshof gelegen, nahmen zusammen drei Familie mit ihrem Vieh auf. Eines davon war 40 fuß (11,68m) lang und 28 Fuß (8,17m) breit, das andere jedoch 77 Fuß (22,48m) lang und 27 Fuß (7,88m) breit. Das letzte Gebäude war ein Schafstall in der Nähe des Tagelöhnerwohnhauses. Auf dem Gutshof befand sich ein Taubenhaus sowie ein Brunnen mit Mauersteinen von 24 Fuß Tiefe (7,00m) und ein weiterer mit Feldsteinen von 20 Fuß (5,84m) Tiefe.

Die Bewirtschaftung des Guts Horndorf wurde zusammen mit dem Gut Süschendorf bei dem Dorf Mücklingen zusammengelegt.

Bei der Einwohnerzählung im Jahre 1855 waren auf dem Gut Horndorf 40 Einwohner.

Im Jahre 1869 hatte das Gut 65 Einwohner (Quelle: Das Ortsregister v. Deutschen Reichs 1869).