Hammelpfand

In der alten Zeit, wo die Bauern noch Pächter (Lehnleute) auf ihren Höfen waren, war es normal üblich, dass der Grundherr für eine neu gerodete Acker- oder Weidefläche eine Gebühr ( Radellgeld oder Rodegebühr) bekam. Die Bauern bezahlten sie normalerweise vor dem ersten Bestellen mit Getreide oder Beweiden mit dem Vieh. Die Tostergloper Bauern sollten das Geld im Jahre 1742 vor der Beweidung beim Amt in Bleckede hinterlegen. Sie taten es nicht, und behielten die geforderten 24 mgr. (Mariengroschen) und 6 pf. (Pfennige) für die neu gerodete Weidefläche ein. Nun gab es Ärger mit dem Amtmann aus Bleckede, der sie ermahnte und mit Strafe drohte. Die Bauern blieben Stur und warteten erst mal ab, womit der Amtmann drohen würde. Der Amtmann schickte einige Zeit später einen Amtsdiener mit Gefolge nach Tosterglope. Dort suchten sie sich einen Hammel aus der Gemeindeherde aus und nahmen ihn als Pfand für die Gebühr mit.

Einen Hammel wegnehmen, dies ließen sich die Tostergloper nicht gefallen und schrieben einen Brief an den Estorffischen Gutsverwalter Pielcke in Neetze. Der Gutsverwalter schrieb in seiner Unschlüssigkeit an den Gutsherrn von Estorff zu Neetze in Ahlden und fragte an, was er in dieser Angelegenheit unternehmen soll. Er schrieb ferner, dass die Bauern wie sie berichteten, schon seit vielen Jahren jeder Bauer (Eingesessene) pro Jahr 18 pf. eine so genannte Cammer-Gebühr an das Amt in Bleckede zahlen würden. Kurz bevor der Amtmann Rützhaub sein Amt niederlegte, haben die Tostergloper Bauern noch Steine nach Bleckede geliefert. Das Geld das sie dafür bekommen sollten, behielt der Amtmann als Rodegebühr ein. Das sei nun schon sechs Jahre her und seit dieser Zeit, ist kein zusätzliches Geld beim Amt bezahlt worden.

Nach ihrer Meinung hätten sie das Rodegeld mit den Steinen bezahlt, was der neue Amtmann nicht weiß oder nicht wissen will. Deshalb möchten sie den gepfändeten Hammel wieder zurück haben. Da der Hammel schon vom Amt verkauft wurde, beanspruchen sie nun den Erlös für das Tier.

Nun ist natürlich die Frage, ob der Gutsherr den Tostergloper Bauern geholfen hat. Aus den Akten geht dieses leiden nicht mehr hervor. Meistens bekam der Bauer kein Recht, und so wird es am Ende auch hier gewesen sei.

So ist es halt: Im Schnabel der Henne hat der Wurm kein Recht!

Tosterglope, den 26.02.02

Volker Weber