Hofsache

Was ist es schwer einen neuen Hauswirt für einen heruntergewirtschafteten Hof zu bekommen, sagte sich der Dorfschulze Schlicht aus Tosterglope. Zu Pfingsten 1775 verstarb der Halbhöfner Claus Reinecke nach langer Krankheit. Er hinterließ einen Sohn und eine sehr schwierige Witwe.

Die Gebäude waren durch seine Krankheit sehr in Mitleidenschaft genommen worden, so dass es so aussah, als wäre der Hof nicht bewirtschaftet. Außer dem allerschlechtesten Haus und Ackergeräten waren noch ein einjähriges Pferd, zwei zweijährige Stiere die noch nicht ganz bezahlt waren, eine Sau mit drei Ferkeln, zwei Hühner und einen Hahn als Vieh auf dem Hof. Die Hauswirtin Ilse Dorothea Reinecke legte nicht so einen großen Wert auf die Erhaltung des Hofes, und sie behandelte auch die Dienstleute schlecht. Dieses hatte zu folge das nach einander die Knechte und Mägde den Hof verließen und anders eine Stelle annahmen. Selbst die Abgaben an den Grundherrn von Estorff zu Barnstedt blieben schon einige Zeit aus, so dass der Hof hoch verschuldet war. Selbst die Getreideernte konnte und wollte er Dorfschulze nicht in die Hofscheune fahren lassen, da er befürchtete dass sie das Getreide zum eigenen Verzehr verbraucht. Dadurch könnten die Schulden noch mehr steigen und kein Nachfolger würde später auf dem Hof seinen Dienst antreten.

Nun nach dem Tode des Höfners versuchte der Dorfschulze Hans Schlicht einen Zwischenwirt für den Hof zu bekommen, bis der Sohn des Verstorbenen den Hof übernehmen kann.(1) Schon kurz nach der Beerdigung meldeten sich die ersten Bewerber beim Dorfschulzen, nach der Besichtigung des Hofes zogen einige schnell wieder weiter. Ein paar Herren blieben doch und stellten Anträge. Unter ihnen war Johann Wilhelm Heuer aus Darchau, ein Herr Jacob der in Barskamp Knecht war, ein Franz Peter aus Laave, ein Reiter Jahte aus Holzen und Franz Hinrich Gerstenkorn aus Ventschau.

Der Reiter Jahte zog gleich bei der Witwe ein, blieb einige Tage und verschwand bei Nacht mit einem der Stiere nach Holzen. Diesen Diebstahl wurde gleich am nächsten Tag vom Dorfschulzen Schlicht auf dem Amt in Bleckede gemeldet. Der Amthauptmann zu Bleckede schrieb an den Oberstleutnant von Harling, wo der Reiter Jahte in Dienste stand und bat um sofortige Auslieferung des Stieres. Wenn dieses nicht sofort geschehen würde, drohte das Amt mit der Anzeige bei der Kriegsgericht- Commission.

Als Einziger blieb nun noch der Franz Hinrich Gerstenkorn aus Ventschau übrig, wenn nur die Witwe nicht wäre. Sie bestand darauf bis zur Hofübergabe an ihren Sohn, in dem Haus wohnen zu bleiben was dem zukünftigen Hauswirt ein Dorn im Auge ist. Der zukünftige Hauswirt wollte die Schulden die auf dem Hofe liegen übernehmen, wenn er die nächsten sechs Jahre von allen Abgaben befreit würde. Ferner wolle er das Land das der Radmacher Meyer aus Tosterglope in Bewirtschaftung hat, wieder zurück zum Hofe haben. Der Dorfschulze Schlicht schrieb auch, dass der Antragsteller einen Bürgen für die Hofstellenübernahne gefunden hat, und bat nun um schnelle Zustimmung auch wegen der Einsaat des Getreides. Über das verbleiben der Witwe, wenn sie den Gerstenkorn nicht heiratet möge das Amt entscheiden, weil es sonst keine Ruhe auf dem Hofe geben werde. (Franz Hinrich Gerstenkorn wurde als Zwischenwirt in Tosterglope in den Abgabelisten mehrere Jahre geführt, bis der Sohn des Verstorbenen den Hof übernahm).

So ist das eben: Wer ein böses Weib hat, der hat sein Fegefeuer im Hause.

(1) In der damaligen Zeit mussten die Witwen und Witwer innerhalb eines Jahres wieder heiraten, da sonst der Hof vom Grundherr wieder neu verpachtet wurde

Tosterglope, den 15.03.03

Volker Weber