Klage gegen Gemeindelasten

Wegebau ist eine notwendige aber auch kostspielige Angelegenheit, so sagte sich der Rat der Gemeinde Ventschau im Frühjahr 1886. Um den öffentlichen Weg von Ventschau nach der Ortschaft Kovahl wieder Instand zu setzen benötige die Gemeinde von allen Hauswirten einen Zuschuss. So auch von dem Hofbesitzer Wilhelm Thiele, der ein Gehöft auf der Wüst gewordenen Dorffläche (vor 1600) Cushur besaß. Der Hofbesitzer Thiele war damit natürlich nicht einverstanden, und beschwerte sich im Kreisausschuss in Bleckede. Er schrieb am 23. Juni d.J., dass sein Gehöft und seine Ackerflächen nichts mit der Gemeinde Ventschau zu tun hätte, da schon bei der Verkoppelung der Dorfschaft Ventschau im Jahre 1848 seine Grundfläche nicht mit ein bezogen worden ist. Dadurch sei er auch von den Gemeindelasten befreit. Seine Wege repariert, so erwähnte er es im Brief schon seit dieser Zeit ohne die Gemeinde Ventschau. Ferner bezahle die Gem. Moislingen für die Wegausbesserungen der Gem. Ventschau keinen Pfennig, obwohl sie auch zum Gemeinderat gehört. Für die Materialkosten von 40 Mark u. 20 Groschen die der Gemeindevorsteher Bagung nun von in Einziehen will, bezahlt er deshalb nicht. Der Kreisausschuss möge sich bitte seiner Sache annehmen und Recht sprechen. Auf der Anfrage des Kreisausschusses setzte der Gemeindevorsteher Bagung eine Gegen-Erklärung auf und schickte sie nach Bleckede.

Im September 1886 schrieb der Amthauptmann von Harling an die Gem. Ventschau und teilte den Beschluss des Kreisausschusses mit. In dem Schreiben wurde die Klage des Höfners W. Thiele abgelehnt und für nichtig erklärt. Zur Begründung gab das Amt an, dass die Grundfläche des Höfner Thiele zwar eine eigene Realgemeinde sei, aber politisch gehöre er zu Ventschau. Seine Privatwege zu seinem Gehöft habe er ohne den Beitrag der Gemeinde Ventschau selber Instand zu halten. Bei den öffentlichen Wegen der Gem. Ventschau habe er sich also an den Kosten zu beteiligen und auch die Arbeitskräfte zu stellen. Der Höfner Thiele besitze ferner einige Grundstücke in der Realgemeinde Ventschau und bezahle die Gemeindesteuer ja auch seit 1848. Was die Gemeinde Moislingen betrifft ist sie an den Kosten für keine der Wegebau-maßnahmen zu beteiligen, da sie zwar mit Ventschau eine Schulzenschaft zusammen hat, aber trotzdem eine eigene politische Gemeinde ist. Am 24.Sept. d.J. zog der Höfner Thiele seine Klage zurück, wie das Amt dem Gemeindevorsteher Bagung mitteilte. Für alle Kosten so das Amt würde der Höfner Thiele aufkommen, daher entstanden keine zusätzlichen Kosten für die Gem. Ventschau.

So ist das eben: Wer unrecht hat, klagt zuerst.

Volker Weber