Sagen aus Tosterglope

Über die Entstehung des Ortsnamens:

1.) Am 23.03.91 erzählte Gerhart Greibaum (Dahlenburg) eine Sage über Tosterglope, die er um 1930 in Boitze gehört hatte. G. Greibaum ging in Boitze zur Schule. Der Dorf-Schullehrer Bergmann erzählte den Kindern, dass der erste Bewohner in der Siedlung Barnbeck gelebt haben sollte.

Dort soll es einen alten Mann mit seinem Sohn gegeben haben, der Toster geheißen haben soll. Eines Tages ging besagter Toster in den Wald, um Holz zu schlagen. Dort sah er in einem Nadelbaum etwas Goldiges. Er lief zu seinem Vater und zeigte ihm den Baum. Toster wollte sogleich auf dem Baum klettern, als sein Vater auf einmal Elstern sah, die tot in einem Kreis um den Baum herum lagen.

Aus diesem Grund verließen sie den Ort, obwohl beide davon überzeugt waren, das es Gold war, das sie gesehen hatten. Eines Tages, es war schon einige Zeit vergangen, ging Toster abermals zu dem Baum, um das Gold zu holen. Als Toster nicht nach Hause kam, ging sein Vater in dem Wald, um ihn zu suchen. Er fand Toster tot unter dem Nadelbaum. Der Vater begrub Toster irgendwo im Barnbecker Wald, und niemand hat je sein Grab gefunden. Die Leute aus unserer Umgebung glaubten an das Gold das Toster gefunden haben wollte, sie hatten allerdings Angst, dass es verflucht sein könnte. Menschen aus anderen Gegenden sagten daraufhin aus Scherz oder Spott zu den Leuten aus unserer Gegend: „Die Tostergloben“, im Sinne von: „Die, die (an) Toster glaubten“. Angeblich soll die Geschichte jedoch eine logische Erklärung vorweisen können: Das Gold war wahrscheinlich Harz, das in der Sonne glitzerte, später wurde es durch Trocknung dunkler. Die neugierigen Elstern verklebten ihre Schnäbel mit dem Harz, welches sie für Gold hielten und deswegen haben wollten und verhungerten daraufhin. Toster brach beim Besteigen des Baumes wahrscheinlich nur einen Ast ab, ein Umstand, der ihm allerdings den Tod brachte.

2.) Nach einer Aussage von Frau List aus Dahlenburg soll es in dem alten Dorf Tosterglope einmal gebrannt haben. Ein Bauer und seine Familie waren auf dem Felde als sie das Feuer sahen. Der Bauer hatte einen Sohn, der Tosche geheißen haben soll. Weil er Angst um sein Hab und Gut hatte, schickte er seinen Sohn nach Hause und rief ihn hinterher: „Tosche lop!“ = Tosche, lauf, eine Aufforderung, aus der sich der Ortsname erklärt.
3.) Man erzählt sich, dass es einst einen Namenskrieg, einen richtigen Kampf sogar, zwischen den Orten Barskamp und dem noch namenlosen späteren Tosterglope im Schieringer Wald gegeben haben soll. Ein Vater aus Tosterglope, der den Kampf bereits als verloren ansah, schickte seinen Sohn, der Tosche geheißen haben soll, in den Ort zurück, um Hilfe zu holen. Er rief den Jungen nach: „Tosche lop, Tosche lop!“ Dieses hörte ein Barskamper, der es nach dem siegreichen Kampf den anderen Männern erzählte. Alle waren sich schnell einig und nannten den namenlosen Ort „Toschelop“.
4.) Es war einmal ein Ritter, der im Raum Dahlenburg gelebt haben soll. Dieser Ritter soll seine Untertanen ausgeraubt und gepeinigt haben. Die Untertanen fragten ihn, was sie tun müssten, um sich seiner Peinigungen entledigen zu können. Darauf sagte der Ritter: „Wenn ihr 1 Stunde nach Ostera lope (lauft), lasse ich euch in Ruhe. Als sie nun eine Stunde lang in östlicher Richtung gelaufen und einen neuen Ort gegründet hatten, nannten sie ihn Tosterglope.
5.) Nach der Erzählung des Lehrers Seebörger soll der Name folgendermaßen entstanden sein: Immer zur Osterzeit trafen sich die Krieger der Langobarden auf dem Stadtberg („Stätte der Vorfahren“) zum Wettkampf. Sie beteten die Ostera (eine germanische Göttin des Frühjahres) an, indem sie untereinander Spiele und Wettkämpfe, wie Bogenschießen, Laufen usw. veranstalteten. Seebörger vertrat diese Auffassung, weil es um den Stadtberg herum einst viele Grabstätten unserer Vorfahren gab und zum Teil noch gibt.

Andere Sagen:

Der Totenwagen:

Eine Sage besagt, dass ein Totenweg aus Richtung Nüdlitz durch Tosterglope nach Barskamp zum Friedhof führte. Er soll am Sportplatz (Schweineweide) vorbei, dann über den Dorfplatz und weiter (Totenweg) nach Barskamp führen. Zur mitternächtlichen Stunde soll er jede Nacht gefahren sein. Alle hatten Angst und jeder wollte ihn gesehen haben, und dies, obwohl alle Fenster und Türen schon sehr früh verschlossen waren.

Das Schlagetherdenkmal in der Lehmgrube:

In der Lehmgrube bei Niehoff wurde einst ein Denkmal für den Freiheitskämpfer Albert Leo Schlagether aufgestellt. Albert Leo Schlagether wurde 1894 geborgen und wurde Offizier im 1. Weltkrieg. Ab 1923 leistete er aktiv Widerstand gegen die Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen, die ihn 1923 standrechtlich erschossen. Irgendwann in den vierziger Jahren hat man es wieder aus der Lehmgrube entfernt. Es soll ein großer Stein gewesen sein, der von drei Eichen umpflanzt worden war.

Der Hase Harvey:

Dass es in Tosterglope und Umgebung spukt, erschien den Menschen des vorigen Jahrhunderts noch als nichts Ungewöhnliches. Diese Sage scheint jedoch recht modernen Ursprungs zu sein. Der weiße Hase Harvey glotzt der Sage nach bei den Bürgern ungeniert in die Fenster oder lauert in der Nähe des Gasthauses oder am Feuerwehrhaus herum. Er leitet anständige Bürger mit starkem Blutalkoholgehalt in die Irre und gibt ihnen eine Kopfnuss oder einen Tritt in den Hintern. Jedoch hat niemand den unverschämten Hasen mit dem Knickohr je gesehen. Die einzigen Beweise, dass Harvey lebt, sind allein die Beulen und Schrammen angeheiterter und spät heimkehrender Tostergloper.