Trunkenheit im Schulzenamt

Trunkenheit kostete dem Vollhöfner Johann Jürgen Ahrens aus Ventschau am 06.Aug.1853 das Schulzenamt. Wie kam es nun soweit?

Am 17.März 1846 verstarb der alte Dorfschulze (Gemeindeschulz) Heinrich Christian Ahrens. So wie es oft in den Dörfern vorkam übernahm meistens der Hoferbe dieses Amt als Nachfolger. Als neuer Dorfschulze für die Ortschaften Ventschau, Moislingen und Nüdlitz, wurde sein Sohn Johann Jürgen Christian Ahrens am 26.Aug.1846 gewählt. Zum Feuergeschworener und Wegevoigt hatte das Amt in Bleckede ihn Vorgeschlagen und am 09.Nov.1846 vereidigt.

In seiner Amtszeit, so steht es geschrieben bekam er vom Amt in Bleckede mehrere Abmahnungen wegen Trunkenheit und schlechter Führung seiner Amtsgeschäfte. Im März des Jahres 1853 schlug das Amt in Bleckede vor, einen Gemeindebeigeordneten zu ernennen, damit die Amtsgeschäfte besser in Ordnung gehalten werden würden. Dieses Amt übernahm der Vollhöfner Johann Friedrich Thiele aus Ventschau. Am 31.Juli 1853 veranlasste der Amtsvoigt Uhthoff zu Dahlenburg die Absetzung des Schulzen Ahrens wegen Trunkenheit im Dienste. Der Vollhöfner Joh. Jürgen Ahrens wurde mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Als Amtsvoigt schlug Uhthoff dem Amte vor, da die Dorfschaften Ventschau, Moislingen und Nüdlitz mit neun Mitglieder sehr klein wäre, sie mit der Ortschaft Kovahl (zehn Mitglieder) zusammen zulegen. Als neuer Dorfschulze sollte es nach seiner Meinung der jetzige Dorfschulze aus Kovahl Karstens übernehmen, der sich auch bereit erklärt hat. Das Amt in Bleckede konnte aber seine Meinung nicht teilen und forderte den Amtsvoigt Uhthoff auf sich aus der Gemeinde Ventschau/ Moislingen einen neuen Schulzen herauszusuchen. Vorerst übernahm der Beigeordnete Joh. Fried. Thiele kommissarisch das Amt des Schulzen. Im Januar 1854 erinnerte das Amt den Amtsvoigt zu Dahlenburg abermals einen Dorfschulzen für die Gemeinde Ventschau/ Moislingen zu suchen. Kurze Zeit später wurden von dem Amtsvoigt, der Hauswirt Thiele, der Krüger Schulz beide aus Ventschau und der Hauswirt Reinecke aus Moislingen dem Amt vorgeschlagen. Die Wahl fiel auf den Hauswirt Joh. Friedrich Thiele, der dann durch die Mitglieder der Gemeinde am 29.März 1854 gewählt wurde.

Etwa ein Jahr später holten sich der Schulze Thiele und der Amtsvoigt Uhthoff den Schulzenschrank von dem früheren Schulzen Ahrens, den er noch in Verwahrung hatte. Der Hauswirt Ahrens war an diesem Tage zum Holzschlagen in den Barnbecker Wald gefahren, nur seine Ehefrau war anwesend. Die beiden Herren fanden den Schrank in einen unbewohnbaren Zimmer unverschlossen vor, und transportierten ihn zum Schulzen Thiele. Beim durchsuchen und sortieren der Akten stellte sich heraus, dass mehrere Jahre nicht mehr vorhanden waren und sonst alles in größter Unordnung durcheinander lag. Selbst die Mäuse hatten an den Papieren genagt und ihre Ausscheidungen hinterlassen. Für die Gesetzessammlung, die nicht mehr vollständig vor-handen war, sollte der Hauswirt Ahrens als Strafe Geld für ein Neues bezahlen, was er aber nicht konnte.

Da der Hauswirt Ahrens wegen seiner Trunkenheit seinen Hof nicht mehr ordentlich verwalten konnte, wurde der Hauswirt und Schmied Bartels aus Tosterglope vom Amt aus als Curator (Vertreter) eingesetzt. Dieser Bezahlte im Februar 1856 auch das Neue Gesetzbuch. (Jahre später übernahm sein Erbe den Hof und bewirtschaftete wieder besser).

So ist das halt: Je mehr man trinkt, je mehr man hinkt.

( Das Haus eines Nachfahren steht heute noch in Ventschau und beherbergt ein Altersheim, dass von der Fam. Wilhelm betreut wird).

Tosterglope den 05.02.01

Volker Weber